Wie Klischees zu Diskriminierung und Gewalt führen können

Sham Alsaho (links) und Alice Düwel (rechts) sprechen mit dem Bonner Journalisten, Aktivisten und Buchautor Sascha Verlan über Geschlechterklischees, Vorurteile und Diskriminierung.

Das Jugendparlament Zetel diskutierte mit Sascha Verlan über Alltagsrassismus in Klassenraum und Kinderzimmer. Beim anschließenden Argumentationstraining mit dem IBIS bereiteten die Teilnehmenden sich am Wochenende im Jugendtreff Steps auf das jugendpolitische BarCamp am 10. Juni in Dangast vor.

„Weil ich für ein Mädchen zu groß bin, wurde ich beim Theaterspiel immer für die Männerrollen vorgesehen“, erzählt Evke. Simon hat seine Leidenschaft fürs Reiten vor seinen Kumpels lieber geheim gehalten. „Ist ja ein Mädchensport“, sagt er. Und Ihno weiß genau, wie man als Junge gehänselt wird, wenn man rosa und lila Kleidung trägt. Bei einer Diskussionsrunde über Rollenbilder und Geschlechterklischees mit dem Bonner Journalisten und Buchautor Sascha Verlan am vergangenen Freitag im Mehrgenerationenhaus in Zetel konnten die Teilnehmenden eine Menge eigene Erfahrungen beisteuern.

Das Jugendparlament hatte mit Unterstützung durch den Jugendtreff Steps und das Forschungsprojekt Jul@ zur Stärkung von Jugendpartizipation im ländlichen Raum zu der Veranstaltung eingeladen. Radio Jade zeigt die Diskussionsrunden live auf twitch. „Wir brauchen Experten wie Sascha Verlan, um mit ihnen gemeinsam Lösungen zu erarbeiten“, sagt Moderatorin Sham Alsaho (17), denn es gebe noch viel zu tun.

Sexualisierte Gewalt, so Verlan, fange nicht erst im Erwachsenenalter an. Wenn sich Mädchen darüber beschweren, dass Jungs gewalttätig sind und Erwachsene das mit den Worten abtun: „Er meint es nicht so. Eigentlich hat er dich gern. Das kann er nur nicht zeigen.“ – Dann führe das dazu, dass Mädchen lernen, in ihren Bedürfnissen nicht ernst genommen zu werden und Jungen, dass ihr Handeln keine Konsequenzen hat.

Im anschließenden Argumentationstraining mit Teamerinnen der Interkulturellen Arbeitsstelle (IBIS) aus Oldenburg vertieften die Jugendlichen am Wochenende im Jugendtreff, wie Stereotype zu Vorurteilen und schließlich zu Diskriminierung führen können. Sie sprachen über Frauen mit Kopftuch, die oft für die Putzfrau und selten für die Chefin gehalten werden und übten sich darin, wie sie in Diskussionen stereotype Denkmuster aufbrechen können, ohne dabei bei ihrem Gegenüber eine Abwehrhaltung zu provozieren.

Verlan macht Werbung und Medien für die Zementierung von Stereotypen verantwortlich. Als Mitglied der Initiative „Goldener Zaunpfahl“ verleiht er seit 2017 jedes Jahr einen Negativpreis für besonders absurdes Gendermarketing: Da ist der Barbie-Experimentierkasten von Kosmos, mit dem Barbie-Fans eine Waschmaschine, ein Schuhregal oder einen drehbaren Kleiderschrank bauen und da ist der Klettverlag mit Leselerngeschichten von kämpfenden Abenteurern für Jungs und Prinzessinnen beim Keksebacken für Mädchen.

Die nächste Preisverleihung ist im November geplant. In der Jury sitzen so prominente Menschen wie der Aktivist für Inklusion und Barrierefreiheit Raul Krauthausen. Alice Düwel vom Forschungsteam Jul@ der Jade Hochschule will mit einer Gruppe Jugendlicher nach Berlin reisen und eigene Beispiele präsentieren. Ihre Nominierungen und das weitere Vorgehen in Vorbereitung auf die Preisverleihung in Berlin können die Jugendlichen bei Verlans nächstem Besuch in Friesland, beim BarCamp am 10. Juni in Dangast mit dem Experten besprechen.

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