Partizipationsvielfalt durch Schulen?

Am vergangenen Mittwoch, 14. Juli, fand von 18 bis 20 Uhr die zweite Live-Stream-Veranstaltung von Jul@ gemeinsam mit dem Bürgerfunksender Radio Jade statt. In der zweistündigen Sendung diskutierte die Moderatorin Alice Düwel gemeinsam mit den zwei Studiogästen, Sham Alsaho (16) und Christian Viebach (24), über Barrieren von Jugendpartizipation und dagegenwirkende mögliche Lösungswege. 

Die Gesprächsrunde konnte wieder über den Twitch-Kanal von Radio Jade verfolgt werden – wie immer mit der Möglichkeit, sich durch den moderierten Live-Chat auch aus der Ferne direkt an dem Diskurs zu beteiligen. Ausnahmsweise nicht parallel über die Radiowelle UKW 87,8 zu verfolgen, wird diese Sendung allerdings am 10. August von 20 bis 22 Uhr ausgestrahlt.

  • Der Unterhaltung vorangegangen waren insgesamt 8 Gruppendiskussionen mit 20 Jugendlichen und 30 lokalen Expert*innen für Jugendpartizipation in Friesland. In den Befragungen mit  Jugendgruppen haben sich vor allem Themen rund um inhaltliche Informationslücken und die Angst vor dem digitalen Austausch herauskristallisiert.
Wieso wissen Jugendliche mehr über das Weltgeschehen Bescheid als über das, was direkt vor der eigenen Haustür passiert und sie unmittelbar betrifft?
  • Fehlende Medienkompetenz, mangelnde Transparenz von politischen Prozessen, zu geringe Wissensgrundlagen – waren nur einige der Faktoren, die in der Wahrnehmung der Befragten Jugendpartizipation verhindern.
Wie schafft man den Diskurs im digitalen Raum?

Sham Alsaho und Christian Viebach sind sich einig, dass es Medienkompetenz unausweichlich als Schulfach bedarf. Mit Medien umgehen zu können, sei ein großes Privileg. Dabei gehe es zum einen darum, wie man sich über die sozialen Plattformen Informationen beschaffe und zum anderen aber auch um die Art und Weise des respektvollen und sicheren Austausches in digitalen Räumen. In den Forschungsinterviews benannten Jugendliche Mobbing und Ausgrenzungen bis hin zu Hasskommentaren und Anfeindungen als soziale Ängste, die den digitalen Diskurs hindern.

Hasskommentare und Mobbing sind in den Kommentarspalten auf den sozialen Plattformen zuhause – und schrecken Jugendliche vor dem aktiven Austausch ab.

Auf die Schule als Drehpunkt für die Förderung von politischer Jugendpartizipation kommen beide Studiogäste immer wieder  zu sprechen. Die 16-Jährige Sham Alsaho, selbst noch Schülerin, äußert den Wunsch nach mehr Aktionstagen oder gar ganzen Projektwochen. Solche Lern- und Lehreinheiten seien auch wichtig, um die Vielfalt gerade im ländliche Raum zu fördern und ausleben zu können.

Christian Viebach ist mit 24 Jahren der Schule schon etwas ferner, wünscht als Koordinationsbeauftragter für Jugend der Evangelischen Jugend Oldenburg aber eine engere Zusammenarbeit von Schulen mit Jugendarbeit. Immerhin sei Schule der Ort, an dem alle Jugendlichen erreichbar seien. Es brauche angesichts der Vielfalt, die Jugend ausmache, entsprechend vielfältige Angebote.

Beide Studiogäste sehen in der Schule deswegen die große Verantwortung, weil dort das Interesse von Jugendlichen geweckt werden könne, Inspirationen würden ausgetauscht bis diese über den schulischen Rahmen hinaus selbstständig und initiativ weiter verfolgt würden.

Vielfalt leben und leben lassen – greift ihr die Stadt-Land-Kluft?

Am Ende der Sendung haben die Diskussionsteilnehmenden eine Art Stufensystem für erfolgreiche Jugendpartizipation ausgemacht:
1. Auf der ersten Stufe bedarf es demnach neben dem Informationsangebot vor allem Ansprechpartner, Vorbildrollen, an denen sich Jugendliche orientieren können, jene, die Jugendliche an die Hand nehmen, sie fördern, Mut zusprechen. Um Partizipation verfolgen zu können, bedarf es Selbstbewusstsein, gestärkt durch Rückhalt von Vertrauenspersonen.
2. Darauf folgend muss eine Debattenkultur gelebt und gegeben sein, es muss der Raum für respektvollen Austausch gestaltet werden.
3. Auf der dritten und letzten Stufe ist dann für eine langfristige und nachhaltige Beteiligung entscheidend, dass Partizipation wirkt. Jugendliche brauchen die Zuversicht, dass Vorhaben auch gelingen.

Informationsbeschaffung und eine Debattenkultur, das soll auch am 8. September am Strand von Dangast beim jugendpolitischen Barcamp stattfinden. Kurz vor den Kommunalwahlen am 12. September sollen die Themen, Anliegen, Probleme und Wünsche der Jugendlichen bei den Politiker*innen in den Fokus gestellt werden.
Inhaltliche Schwerpunkte können jederzeit von jeder und jedem hier eingetragen werden.

Einen ersten Vorgeschmack auf das Jugendpolitik-Barcamp gibt es schon in der nächsten Sendung, die bereits kommenden Mittwoch, 21. Juli von 18 bis 19 Uhr stattfindet. Zu Gast sind Jannick Thomas, Vorsitzender des Jugendparlaments Zetel und damit Mitorganisator und Veranstalter des Barcamps sowie Mattis Wilke von der Jugendgruppe The MOveMENT, die an dem Tag für das Musik- und Bühnenprogramm sorgen.
Zu verfolgen ist die Sendung live auf Twitch und auch wieder parallel auf die Ohren über die Radiowelle UKW 87,8.

Von links nach rechts: Julia Wiedel, Alice Düwel, Sham Alsaho, Christian Viebach, Michelle Hänisch und Carsten Hoeft.
Der komplette Live-Stream mit Sham Alsaho und Christian Viebach zu Barrieren von Jugendpartizipation und dagegenwirkende mögliche Lösungswege ist hier jederzeit nachzuschauen.
Die kompletten zwei Stunden mit Sham Alsaho und Christian Viebach zu Barrieren von Jugendpartizipation und dagegenwirkende mögliche Lösungswege sind hier direkt und kostenfrei auch nur als Podcast abzurufen.
Partizipationsvielfalt durch Schulen?

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