Jul@-Live: Klappe – die Erste!

Mit der ersten Streaming-Veranstaltung fand der Monat Juni – geprägt von viel direktem Austausch mit Jugendlichen und lokalen Expert*innen für Jugendpartizipation – einen entsprechend gebührenden Abschluss.  Die zweistündige Sendung mit dem Bürgerfunksender Radio Jade lieferte einen Überblick über das Forschungsfeld von Gründen für Partizipationshemmschwellen bis hin zu digitalen Lösungsansätzen.

Zur Gesprächsrunde geladen waren Marcel Hans, Vorsitzender des Jugendparlaments Friesland, und Sandra Gudehus, Leiterin des Kinder-, Jugend- und Familienzentrums PFERDESTALL in Schortens.

„Und dann gehört natürlich auch Selbstbewusstsein und Mut dazu, die Themen gezielt zu platzieren und für die eigene Meinung aufzustehen. Das ist nicht so, dass das jeder einfach so mitbekommen hat, das ist ein Lernprozess, den man fördern muss.“


Im Dialog mit dem Jul@-Teilprojektleiter für Wilhelmshaven, Prof. Dr. Michael Klafft und der Jul@-Netzwerkbeauftragten für Friesland, Alice Düwel, diskutierten die Gäste Problemlagen und Lösungsansätze rund um das Thema Jugendpartizipation weiter Als Anregungen dienten anonymisierte Zitate aus 8 Gruppengesprächen mit 20 Jugendlichen und 30 lokalen Expert*innen in Friesland.

Alice Düwel hat im Zuge der Gruppenbefragungen eine erste Übersicht von Faktoren aufbereitet, die Jugendliche und Expert*innen als Partizipationshemmnisse genannt haben.

Marcel Hans betonte die Bedeutung einer Ansprech-/ Vorbildperson. Jugendliche benötigten Anleitung bei den ersten Partizipationsschritten.
Was passiert, wenn der Weg dann aber erstmal geebnet ist, zeigte die Partizipationsbiografie von Christian. Früher am liebsten mit Pizza vor dem Computer hockend, engagiert sich der jetzt 22-Jährige durch die Evangelische Jugend Oldenburg im Kreisvorstand auf Landes- und Bundesebene. Wie er auf diesen Weg gekommen ist? Gemeinsamkeiten: Pizza. Dieses Beispiel aus den Forschungsinterviews zeigte auf, wo und wie Partizipationsgeschichte beginnen kann.

Wie können Jugendliche mit politischer Partizipation in Kontakt kommen? Christians Geschichte zeigt, welche diversen Auslöser es geben kann.

Einig waren sich die Studiogäste darin, dass bürokratische Vorschriften jugendlichen Ideenreichtum ausbremsen können und dass Unterstützung durch Expert*innen zum Gelingen beitragen und damit motivierend wirken kann. Aber wie weit darf die Unterstützung reichen? Sandra Gudehus gab zu bedenken, dass Jugendliche auch nicht in einer Scheinpartizipation leben dürfen, in dem Glauben, ohne jeden Realitätsbezug alles umsetzen zu können. 
Deswegen – da ist sich die Runde einig – ist der Austausch mit Politik so enorm wichtig, um auf einer Wellenlänge gemeinsam Schritt für Schritt zu interagieren.

Auch erste von Jugendlichen und Expert*innen genannten Ansätze, um Jugendpartizipation auf- und auszubauen, hat Alice Düwel erfasst.

Prof. Dr. Michael Klafft stellte erste gewonnene Erkenntnisse vor, was die Konzeption einer App-Anwendung betrifft, die Jugendpartizipation im digitalen Raum ermöglichen soll und die Jul@ seinen Netzwerkpartner*innen ab Herbst 2022 zur Erprobung zur Verfügung stellen möchte.
Diese ersten Erkenntnisse stammen aus dem ebenfalls im Juni vorangegangenen Design-Thinking-Workshop. Eine Gruppe von Jugendlichen modellierte ihre Wünsche an Funktionen und Inhalte eines solchen Medienangebotes. Besonders wichtig war ihnen die Möglichkeit von Online-Umfragen. Dieses Interesse wurde auch im Zuge des Live-Streams nochmal untermauert. Das Jugendzentrum Sande beteiligte sich rege im Twitch-Chat und äußerte, dass Umfragen auf vielfältige Weise helfen und einsetzbar seien: Kommunikation untereinander, Kommunikation mit Politik sowie der Vernetzungsfaktor zu anderen Jugendhäusern.


Dass es digitale Möglichkeiten für Jugendpartizipation dringend benötige,, steht für Marcel Hans nicht mehr zur Debatte. Die Corona-Pandemie habe für den Vorsitzenden des Jugendparlamentes Friesland auch positive Facetten aufgemacht:

„Es kann manchmal so einfach sein, sich nur vor den Computer zu setzen und schon online zusammenzukommen. Dadurch kann man auch mehr Leute erreichen und gerade im regionalen, ländlichen Raum bringt es auch große Vorteile gegenüber der ausbleibenden Mobilität.“

Marcel Hans, Vorsitz Jugendparlament Friesland

Der persönliche, direkte Kontakt dürfe aber dadurch niemals vollständig ersetzt werden, dass betonten sowohl Marcel Hans, als auch Sandra Gudehus, sowie auch Besucher*innen des Jugendzentrums Sande, die sich in einer Gruppe im Twitch-Chat zugeschaltet hatten. 

In zwei Stunden Video-Stream wurden einige ergänzende, aber auch neue Erkenntnisse gewonnen. Umso mehr die Bestätigung darin, am 8. September am Stand von Dangast ein jugendpolitisches Barcamp aufzuziehen. Ausführliche Informationen dazu sind hier nachzulesen. Inhaltlich können schon jetzt hier Themenschwerpunkte eingetragen werden.
Live in der Sendung sagte auch Marcel Hans die Teilnahme und Unterstützung des Jugendparlaments Friesland zu.

Von links nach rechts: Julia Wiedel, Alice Düwel, Marcel Hans, Sandra Gudehus,
Prof. Dr. Michael Klafft und Michelle Hänisch.
  • Die nächste Sendung findet schon in zwei Wochen, am 14. Juli, wieder zu bekannter Zeit von 18 bis 20 Uhr statt. In diesen zwei Stunden ist Christian – aus bekannter Partizipationsbiografie – dann auch persönlich zu Gast. Alice Düwel spricht mit ihm über Partizipationsstrukturen und wie man diese an der Lebenswelt der Jugendlichen ausrichten kann.
Alice Düwel, Jul@ Netzwerkbeauftragte für den Modelllandkreis Friesland stellt Jul@, die Arbeitsweise, Ziele und anstehende Veranstaltungen vor.
Jul@-Live: Klappe – die Erste!

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